Dienstag, 24. Juli 2012

Sephora

Wer mich kennt, der weiß ja, dass ich ein kleeeines bißchen Kosmetik-affin bin. Wirklich nur ein bißchen. Nunja, ich wurde sogar schon als Tussi bezeichnet, das war aber nicht negativ gemeint ;-)

Um also meinem Tussi-Dasein mal so richtig zu frönen, muss ich euch vom hiesigen Sephora erzählen. Für die Nicht-Tussis: Sephora = Douglas im Ausland. Nur besser. Viel besser.

Bei meinem ersten Besuch im Sephora war ich vom schieren Angebot erstmal überwältigt, mein Auge konnte diese Marken- und Farbenvielfalt gar nicht erfassen ;-) Das hat sich zum Glück bei den nächsten Besuchen gegeben, indem ich mich einfach systematisch durch die Regale gearbeitet habe.

Und dabei konnte ich dann feststellen, dass Sephora Douglas um Lichtjahre voraus ist. Nicht nur, dass es hier Marken gibt, die es bisher noch nicht bis nach Deutschland geschafft haben. Nein, vieles ist auch noch sehr viel günstiger als bei uns.

Die Sephora-Damen und Herren (beide übrigens gleich stark geschminkt *g*) sind hier auch viel netter als die Dougletten zuhause. Man wird beim Betreten der Filiale freundlich begrüßt (das ist in USA aber überall so) und wird gefragt, ob man Hilfe benötigt. Wenn man das verneint, wird man auch in Ruhe gelassen. Das schätze ich sehr, denn ich gucke meistens lieber selbst erst einmal. Trotzdem ist immer jemand in Reichweite, wenn man doch mal was fragen will. Das zahlenmäßige Verhältnis zwischen Kunden und Verkäufern stimmt einfach.

Wenn man möchte, kann man stundenlang die einzelnen Produkte in Augenschein nehmen, ausprobieren und ggf. das komplette Tagesmakeup erneuern (neulich erst gesehen).

Im Douglas habe ich es leider schon oft erlebt, dass man von den Dougletten regelrecht verfolgt wird. Sobald man ein Teil in die Hand nimmt, wird ungefragt losgequatscht und die Vorteile ebendieses Teils aufgezählt. Ja danke, das weiss ich selbst – deshalb gucke ich es mir ja an.

Aber auch das Gegenstück kommt häufig vor. Braucht man wirklich mal Hilfe, sind auf einmal sämtliche Dougletten wie von Zauberhand verschwunden oder ganz arg beschäftigt.

Am Wochenende sind immer doppelt so viele Verkäufer im Sephora, weil auch mehr Kunden da sind – da hat mal einer mitgedacht.

Aber am meisten mag ich drei Dinge am Sephora. Erstens findet man so ziemlich an jedem Regal einen Aufsteller mit Makeupentferner, Alkohol, Nagellackentferner, Wattepads, Kosmetiktüchern, Wattestäbchen und verschiedenen Wegwerf-Applikatoren (Pinsel, Spatel u.ae.). Das wird jeder zu schätzen wissen, der schon mit bunt bemaltem Handrücken aus dem Douglas marschiert ist.

Zweitens kann man sich im Sephora von nahezu allem Pröbchen abfüllen lassen. Auf der Suche nach einer neuen Creme? Kein Problem, die nette Sephora-Dame berät einen und schaufelt dann das Probetöpfchen mit Creme voll, die locker 2 Wochen reicht. So wird das Risiko von Fehlkäufen doch deutlich reduziert.

Aber selbst wenn es einen Fehlkauf gab – und hier kommen wir zum dritten – man kann alles quasi ewig und auch schon benutzt zurückbringen. Man bekommt ohne Gezeter das Geld erstattet oder ein neues Produkt! Der Hammer!

Ich konnte mich von dieser Kundenfreundlichkeit selbst überzeugen, als ich Depp mein teures, neu gekauftes, erst zweimal benutztes Puder im Bad runtergeschmissen hab. Es war natürlich völlig zerbröselt und quasi nicht mehr zu benutzen. Ich war wirklich traurig, denn ich mochte es und es war teuer, verdammt!

Mein lieber Freund M. meinte, ich solle es doch einfach zurückbringen. Auf die Idee wäre ich selbst nie gekommen, schließlich hab ich es ja selbst kaputt gemacht. Aber ich ließ es auf den Versuch ankommen. Und siehe da, ich holte Puder und Kassenbon aus meiner Tasche, als die Sephora Dame auch schon fragte, ob ich das Geld zurück haben möchte. Ich setzte zu meiner Erklärung an, aber das wollte sie eigentlich gar nicht wirklich wissen. Sie (!) entschuldigte sich noch, dass das Puder den Sturz nicht überlebt hat!

Ich war wirklich baff und durfte mir ohne Probleme einfach ein neues holen. Meine überglücklichen Dankesbezeugungen irritierten die gute Frau sichtlich, schließlich kennt sie es nicht anders.

Jedenfalls bin ich spätestens seit diesem Zeitpunkt absoluter Sephora-Fan ;-)


Montag, 23. Juli 2012

Australien?

Ich wurde eben im Bus gefragt, ob ich aus Australien stamme! Lustig... scheinbar wirke ich sehr tiefenentspannt ;-) Oder es lag an dem Surfbrett unter meinem Arm ;-)

Oder (und das ist die Auslegung, die ich bevorzuge!) mein Englisch hat sich so verbessert, dass nicht mehr jeder sofort merkt, dass ich kein Native Speaker bin. Ich hab nämlich ein paar amerikanischen Touristen den Weg zum Ferry Building erklärt und sie dabei offensichtlich mit meinem Akzent verwirrt.

Jaja, my english is so good, that makes me nobody so quickly after!

Sonntag, 22. Juli 2012

North Beach

Das Wetter war dieses Wochenende einfach traumhaft - richtig warm und sonnig. Naja, zwar ist es hier fast immer sonnig, aber nicht zwingend auch warm ;-)

Daher habe ich das gute Wetter ausgenutzt und bin mal ein bißchen durch North Beach spaziert. Dort war ich ja mit Jessica schonmal, als wir am Coit Tower waren. Dieser liegt nämlich mitten in North Beach auf dem Telegraph Hill. North Beach ist das "italienische Viertel" der Stadt. Hier gibt es viele nette kleine Cafés und Restaurants und wegen des Telegraph Hills auch viele Hügel.
Ich hab eigentlich gar nicht großartig was gemacht, bin einfach rumgelaufen und habe die Stimmung auf mich wirken lassen.

Ich möchte euch gern mit ein paar Bildern daran teilhaben lassen...


Blick rüber zur East Bay



Viele Treppen in North Beach





Der Blick rüber nach Russian Hill

Hier sieht man im Hintergrund den Coit Tower





Samstag, 21. Juli 2012

Fahrgemeinschaft auf Amerikanisch

Ein Kollege, der in Oakland (also Eastbay) wohnt, hat mir neulich eine interessante Geschichte erzählt.

Er fährt jeden Morgen mit dem Auto zur Arbeit. Soweit nicht ungewöhnlich. Allerdings fährt er immer extra an einer Straßenecke vorbei, wo Leute darauf warten, mitgenommen zu werden. Und ich meine jetzt nicht den Straßenstrich ;-)
Nein, es gibt tatsächlich in Oakland eine Kreuzung, wo Pendler, die keinen Bock auf die Bahn, aber auch kein eigenes Auto haben, darauf warten, mitgenommen zu werden. Von Pendlern mit Auto, die eben sowieso rüber nach San Francisco fahren.

Und das funktioniert! Besagter Kollege nimmt jeden Morgen drei völlig fremde Leute mit, immer andere und lässt sie dann Downtown wieder aussteigen. Die Leute müssen dafür auch nichts bezahlen. Manche bieten einen Dollar Benzingeld an, welches mein Kollege jedoch immer ablehnt.
Und auch viele seiner Nachbarn nehmen jeden Morgen fremde Pendler mit. Auf Nachfrage gab er an, dass da bisher noch nie was passiert sei und alles immer zur allseitigen Zufriedenheit verlaufen ist.

So kommen jeden Morgen Dutzende Pendler bequem und billig aus Oakland über die East Bay Bridge nach San Francisco. Für den Rückweg müssen sie sich allerdings doch auf die öffentlichen Verkehrsmittel verlassen ;-)

Ich hab direkt gedacht, dass er ja so jede Menge neue Leute kennenlernt. Aber nein, es gibt natürlich ungeschriebene Regeln für diese Art der Fahrgemeinschaft.

Erstens, der Pendler steigt ein, sagt "Guten Morgen" und hält ansonsten die Klappe. Geredet wird nicht. So hat der Fahrer trotz Gesellschaft morgens seine Ruhe ;-)

Zweitens, Handys müssen lautlos sein. Man darf zwar smsen und sonstige stille Dinge tun, aber telefonieren oder klingelnde Handys sind verpönt.

Drittens, man darf nicht essen oder trinken, gefrühstückt wird also gefälligst zuhause.

Und wie gesagt, das funktioniert! Ich finde das wirklich interessant und faszinierend, und habe mich direkt gefragt, ob das in Deutschland auch funktionieren würde...

Ich glaube, nein. Dafür lieben die meisten Deutschen ihr Auto viel zu sehr, als dass sie wildfremde Leute einsteigen lassen und dabei riskieren, dass die die wertvollen Alcantara-bezogenen Sitze vollpupsen.

Außerdem haben viele Deutsche ja auch eine angeborene Abneigung gegen fremde Menschen. Wenn morgens in der Bahn jemand niest, und ein anderer (aber fremder) "Gesundheit" sagt, wird der oft angeguckt, als hätte er dem Niesenden unvermittelt an den Hintern gepackt. Viele Deutsche reagieren ja, meiner Erfahrung nach, leider sehr irritiert auf Freundlichkeit und können dann damit nicht so richtig umgehen ;-)
Schade eigentlich...

Freitag, 20. Juli 2012

Bowling

Gestern war ich mit ein paar Kollegen bowlen in South of Market. Das war richtig lustig, allerdings war ich bei weitem die schlechteste Bowlerin. In dem ganzen Laden.
Ich weiss nicht warum, aber irgendwie können die Amis halt einfach bowlen. Wieder ein Klischee erfüllt ;-)

Natürlich waren alle sehr zuvorkommend und meinten, dass ich doch gar nicht SO schlecht wäre. Nee, 40 Punkte sind schon grandios, ist klar.

Toll war mal wieder das Essen, was dort aufgefahren wurde. Es gab jede Menge Fingerfood, also zum Beispiel Nachos mit Käse, Guacamole, Salsa usw., Chips, Süßkartoffelpommes, Mini-Käsefondue, kleine Pizzen, Mini-Burger, Sushi... hach ja.

Auf dem Rückweg hab ich mich dann noch schön verlaufen. Normalerweise gucke ich immer vorher online nach, wo die Haltestelle des Busses ist, der mich nach Hause bringt. Das hab ich leider diesmal vergessen. Naja, nicht so schlimm - man hat ja ein iPhone und kann auch unterwegs noch nachgucken. Dachte ich jedenfalls ;-)
Natürlich war dann passenderweise der Akku leer und ich konnte überhaupt nix nachgucken.

Da stand ich also dumm da, guckte mich um, es wurde langsam dunkel, alle Kollegen schon längst weg. Naja, lauf ich halt in Richtung Downtown, da wird schon irgendwo irgendwann ein Bus fahren, war so mein Gedanke.
Einige Blocks später, mittlerweile war es dann dunkel, zermarterte ich mir das Hirn, ob South of Market eigentlich zu den Stadtvierteln gehört, wo man nachts besser nicht mehr rumlaufen soll ;-)

Irgendwann traf ich dann tatsächlich auf eine Bushaltestelle. Natürlich fuhr dort kein Bus, den ich nehmen konnte. Ich stand da also an der Kreuzung etwas rum, um mir zu überlegen, ob ich nun ein Taxi nehme oder noch ein bisschen laufe und drehe mich dabei so ein bisschen rum. Was sehe ich? MEINEN Bus, der klammheimlich und leise (blöde Elektrobusse) HINTER mir über die Strasse schleicht. Ich natürlich die Beine in die Hand genommen und hinterher gerannt. Auf Pumps. Egal.
Zum Glück hielt er an der nächsten Strassenecke an (wo es KEIN sichtbares Zeichen gab, dass dort eine Bushaltestelle ist) und ich konnte einsteigen. Eine Viertelstunde später war ich dann auch schon zuhause.
Ende gut, alles gut ;-)

Sonntag, 15. Juli 2012

Sailing Trip

Gestern war ich segeln. Allerdings nicht selbst, sondern ich hab quasi segeln lassen ;-)
Meine Chefin hatte mich eingeladen, an diesem vom Rotary Club veranstalteten Segelausflug teilzunehmen und zum Glück hab ich ja gesagt, denn es hat richtig Spaß gemacht.

Es war ein großes Segelschiff mit zwei Masten, wir waren ca. 20 Leute zuzüglich der Segelcrew.



Der Eigentümer des Schiffs hat es selbst entworfen und Teile davon sogar selbst gebaut. Das ganze untere Stockwerk seines Hauses ist eine Holzwerkstatt, echt beeindruckend. Wir segelten nämlich von seinem Haus in Richmond los.



Wir hatten auch richtig Glück mit dem Wetter, am Morgen war es noch total grau und wolkenverhangen gewesen. Allerdings ist das Wetter in der Bay auch sehr wechselhaft, wir segelten daher zwischen strahlendem Sonnenschein, Nebel und Wolken hin und her. Und windig wars, aber das muss ja auch so sein ;-)
Allerdings hab ich mir nach 3 Stunden dann schon so ziemlich den Arsch abgefroren, trotz dutzender Schichten von Kleidung. In der Sonne gings, aber sobald die weg war... brrrr...

Rausgefahren sind wir mit dem Motor und sobald wir auf der Bay waren, wurden die Segel gehisst.




Tja, und dann wurde gesegelt...



Angel Island
Angel Island ist eine Insel, die früher unter anderem als Immigrantenlager (hauptsächlich wohl für Chinesen) genutzt wurde. Das weiße Gebäude rechts ist das frühere Immigrationsgebäude, mittlerweile ein Museum. Links die etwas verfallenen Gebäude sind aus der Zeit des Civil War, dort waren wohl Truppen stationiert, wie mir erzählt wurde.
Bis auf einen Ranger, der dauerhaft auf Angel Island lebt, ist die Insel unbewohnt, mittlerweile ist sie als Park ausgewiesen.

Außerdem kamen wir auch an Alcatraz vorbei, diesmal die andere Seite (als mit der Fähre).

Alcatraz - das weiß verhüllte ist übrigens ein Turm, der grade restauriert wird

Auf dem Schild steht: Warning! Persons procuring or concealing escape of prisoners are subject to prosecution and imprisonment.


Als Alcatraz noch ein Gefängnis war, war es strengstens verboten, sich der Insel zu nähern. Auch Boote in Seenot wurden erst abgeknallt, bevor Fragen gestellt wurden. Könnte man sagen, dass sich bereits hier ein Muster abzeichnete? ;-)

Als wir dann aus dem Windschatten von Angel Island und Alcatraz rauskamen, gings richtig zur Sache. Der Wind konnte voll ins Segel knallen (ich kenne leider den Fachausdruck nicht) und das Boot legte sich bedenklich auf die Seite. Naja, also ICH fands bedenklich. Man sagte mir aber, das gehört so und nein, der Mast bricht nicht ab. Es macht auch nix, wenn eine Reling komplett unter Wasser ist, nein nein.
Man sollte sich nur tunlichst nicht grade an dieser Reling aufhalten. Also wurden wir vom Kapitän immer von einer Seite des Bootes auf die andere gescheucht, von backbord nach steuerbord und wieder zurück (ja, die Fachausdrücke kenne ich).

Manchmal war es ein bißchen wie auf der Titanic, als der Bug der Titanic noch so aus dem Wasser steht und Rose mit ihrem Tuppes auf die andere Seite der Reling (also nach außen) klettert, weil sie sich sonst nicht festhalten können. Das hätte ich auch gern getan, weil es wesentlich leichter gewesen wäre, als sich so von unten an die Reling zu klammern ;-)
Das klingt jetzt schlimmer als es ist, es hat richtig Spaß gemacht.

Auf dem folgenden Bild sitze ich noch schön gemütlich im Mittelteil des Boots und stemme mich mit den Füßen gegen eine Leiste, um nicht ins Wasser zu rutschen. Leider wird auf dem Bild gar nicht deutlich, wie steil es wirklich war.
Etwas später bin ich (und alle anderen auch) dann nach oben zur anderen Reling geklettert, weil die Reling, die man auf dem Bild sieht, dann im Wasser war. Davon gibts leider keine Fotos, weil ich mich festhalten musste.


In der Ferne immer schön die Golden Gate Bridge, die auch unser Ziel war.


Der Kapitän wollte nämlich unter die Golden Gate Bridge. Ich weiß nicht warum, aber das ist hier ein  Riesen-Ding. Man kann auch extra (teure) Touren buchen, damit man einmal unter der Golden Gate Bridge durchfahren kann.

Tja, und auch ich hab es nun getan, ich bin durch das Golden Gate, unter der Bridge durch, gesegelt. Beweisfotos gibts hier:


Man sieht auf diesen Bilder schön, wie tief der Nebel über der Brücke hängt.



Schon fast da...

Geschafft!

So sieht die Brücke also von unten aus.



Und von hier segelten wir dann gemütlich wieder nach Hause.




Mittwoch, 11. Juli 2012

Business Law Training

Hier bin ich mal wieder. Sorry, die letzten Tage waren irgendwie ziemlich stressig, da kam ich nicht zum Bloggen. Ich gelobe Besserung ;-)

Stressig war es, weil ich zusammen mit den anderen Summer Associates am Business Law Training teilgenommen habe. Ich konnte mir da zunächst überhaupt nichts drunter vorstellen, also ließ ich mich überraschen.
Am Montag hatten wir "Negotiation", also Verhandlungstraining. Zuerst hielt ein Anwalt einen Vortrag darüber, wie man erfolgreich verhandelt. Hierbei ging es nicht um Gerichtsverhandlungen, sondern um Vertragsverhandlungen im weitesten Sinne. Es hätte sehr spannend werden können. An dem "hätte" merkt der geneigte Leser womöglich schon, dass es das nicht war ;-)

Tatsächlich bekamen wir so hilfreiche Tipps wie etwa den Gegner (oder zukünftigen Vertragspartner, wie ich vielleicht sagen sollte) besser NICHT anzuschreien. Ja wie??? Wirklich??? Nicht schreien? Hmmm...
Oder auch, dass man für Verhandlungen immer so gut wie nur möglich vorbereitet sein sollte. Außerdem sollte man immer die Interessen des Mandanten im Auge behalten. Ich war SO froh, dass mir das mal jemand sagt ;-)

Manche Tipps waren allerdings wirklich ganz interessant, die stammten allerdings nicht von besagtem Anwalt, sondern von einem Harvard-Professor ;-) Ich spare mir jetzt die Aufzählung. Nach dem Vortrag durften wir dann selbst verhandeln üben. Mit Feedback und so.

Tja, und so ähnlich ging es dann am Dienstag weiter. Da lernten wir, wie man einen "Letter of intent" schreibt. Dass da zum Beispiel die Vertragsparteien aufzuführen sind. Hinterher wurden dann noch Fragen gestellt, und an diesem Punkt fragte ich mich: Was lernen amerikanische Jurastudenten eigentlich im Studium?

Ich hab die Frage dann ganz zum Schluss auch mal laut gestellt und die Antwort lautet: scheinbar nicht viel ;-) Nein, das ist natürlich übertrieben. Im ersten (von drei!) Studienjahren sind alle Kurse Pflicht, da gibts dann sowas wie (ich übersetze mal recht frei) Ethik, Vertragsrecht, Zivilprozessrecht und Strafrecht, außerdem "Legal Writing and Research" (wie suche und finde ich Präzedenzfälle, die zu meinem Fall passen). Im zweiten und dritten Jahr besucht der amerikanische Jurastudent wohl überwiegend sogenannte "Bar Classes", die dazu dienen, auf das "Bar Exam" (=Abschlussprüfung) vorzubereiten.
Alles weitere ist optional!!! Also da bin ich fast vom Stuhl gefallen. Entsprechend haben die Mädels keinen blassen Dunst von Handels- und Gesellschaftsrecht (darum ging es hier) oder irgendeinem anderen Rechtsgebiet. Schon erstaunlich, wie unterschiedlich das in Deutschland und den USA läuft.

Ein großer Unterschied ist auch, dass in den USA die Abschlussnote keine Rolle spielt. Man macht sein Bar Exam und wenn man das besteht, ist man halt Anwalt. Oder wenigstens Jurist ;-) Das Bar Exam kann man übrigens so oft machen, wie man möchte (!!!), ein Kollege hat mir erzählt, er kennt einen Juristen, der es 43 mal gemacht hat. Wie krass ist das denn???
Zum Vergleich: in Deutschland kann man das zweite Staatsexamen zweimal machen, danach kann man beim Justizministerium einen Antrag auf den sog. "Gnadenversuch" stellen - das ist dann aber definitiv der letzte und danach wars das dann halt. Der Kommentar der Amis: "Wow, the Germans are Hardliners, aren´t they?" ;-)

Hier hingegen zählt einzig und allein, auf welchem College und welcher Uni man war. Und das hängt weniger vom eigenen Können als vom Geldbeutel der Eltern ab.
So ist hier in Juristenkreisen meist die erste Frage, auf welcher Law-School man war. In der Kanzlei bin ich umringt von Stanford-, Yale-, Harvard-, Berkeley- und Georgetown-Absolventen. Und noch viele andere, von denen ich noch nie gehört hab ;-) Der Abschluss an einer der vorgenannten Unis ist quasi der Garant für eine wirklich gut bezahlte Stelle - es interessiert keinen, ob man es nur geschafft hat, weil man immer neben dem Klassenbesten saß.
Und mit gut bezahlt meine ich gut bezahlt: In dieser Kanzlei liegt das Einstiegsgehalt bei 160.000 $. Pro Jahr der Kanzleizugehörigkeit wird ordentlich aufgestockt.
Gut, man arbeitet auch 18 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche - aber irgendwas ist ja immer.

Hm, wo war ich? Ach ja, BLT. Wir durften dann auch selbst einen Letter of intent schreiben, wiederum Feedback. Natürlich waren wir alle "great" und "amazing" und daher waren wir heute dann schnell durch.
Aber ganz ehrlich, das Beste an diesem Training war das kostenlose Mittagessen ;-)