Gestern war ich mit ein paar Kollegen bowlen in South of Market. Das war richtig lustig, allerdings war ich bei weitem die schlechteste Bowlerin. In dem ganzen Laden.
Ich weiss nicht warum, aber irgendwie können die Amis halt einfach bowlen. Wieder ein Klischee erfüllt ;-)
Natürlich waren alle sehr zuvorkommend und meinten, dass ich doch gar nicht SO schlecht wäre. Nee, 40 Punkte sind schon grandios, ist klar.
Toll war mal wieder das Essen, was dort aufgefahren wurde. Es gab jede Menge Fingerfood, also zum Beispiel Nachos mit Käse, Guacamole, Salsa usw., Chips, Süßkartoffelpommes, Mini-Käsefondue, kleine Pizzen, Mini-Burger, Sushi... hach ja.
Auf dem Rückweg hab ich mich dann noch schön verlaufen. Normalerweise gucke ich immer vorher online nach, wo die Haltestelle des Busses ist, der mich nach Hause bringt. Das hab ich leider diesmal vergessen. Naja, nicht so schlimm - man hat ja ein iPhone und kann auch unterwegs noch nachgucken. Dachte ich jedenfalls ;-)
Natürlich war dann passenderweise der Akku leer und ich konnte überhaupt nix nachgucken.
Da stand ich also dumm da, guckte mich um, es wurde langsam dunkel, alle Kollegen schon längst weg. Naja, lauf ich halt in Richtung Downtown, da wird schon irgendwo irgendwann ein Bus fahren, war so mein Gedanke.
Einige Blocks später, mittlerweile war es dann dunkel, zermarterte ich mir das Hirn, ob South of Market eigentlich zu den Stadtvierteln gehört, wo man nachts besser nicht mehr rumlaufen soll ;-)
Irgendwann traf ich dann tatsächlich auf eine Bushaltestelle. Natürlich fuhr dort kein Bus, den ich nehmen konnte. Ich stand da also an der Kreuzung etwas rum, um mir zu überlegen, ob ich nun ein Taxi nehme oder noch ein bisschen laufe und drehe mich dabei so ein bisschen rum. Was sehe ich? MEINEN Bus, der klammheimlich und leise (blöde Elektrobusse) HINTER mir über die Strasse schleicht. Ich natürlich die Beine in die Hand genommen und hinterher gerannt. Auf Pumps. Egal.
Zum Glück hielt er an der nächsten Strassenecke an (wo es KEIN sichtbares Zeichen gab, dass dort eine Bushaltestelle ist) und ich konnte einsteigen. Eine Viertelstunde später war ich dann auch schon zuhause.
Ende gut, alles gut ;-)
Freitag, 20. Juli 2012
Sonntag, 15. Juli 2012
Sailing Trip
Gestern war ich segeln. Allerdings nicht selbst, sondern ich hab quasi segeln lassen ;-)
Meine Chefin hatte mich eingeladen, an diesem vom Rotary Club veranstalteten Segelausflug teilzunehmen und zum Glück hab ich ja gesagt, denn es hat richtig Spaß gemacht.
Es war ein großes Segelschiff mit zwei Masten, wir waren ca. 20 Leute zuzüglich der Segelcrew.
Der Eigentümer des Schiffs hat es selbst entworfen und Teile davon sogar selbst gebaut. Das ganze untere Stockwerk seines Hauses ist eine Holzwerkstatt, echt beeindruckend. Wir segelten nämlich von seinem Haus in Richmond los.
Wir hatten auch richtig Glück mit dem Wetter, am Morgen war es noch total grau und wolkenverhangen gewesen. Allerdings ist das Wetter in der Bay auch sehr wechselhaft, wir segelten daher zwischen strahlendem Sonnenschein, Nebel und Wolken hin und her. Und windig wars, aber das muss ja auch so sein ;-)
Allerdings hab ich mir nach 3 Stunden dann schon so ziemlich den Arsch abgefroren, trotz dutzender Schichten von Kleidung. In der Sonne gings, aber sobald die weg war... brrrr...
Rausgefahren sind wir mit dem Motor und sobald wir auf der Bay waren, wurden die Segel gehisst.
Tja, und dann wurde gesegelt...
Angel Island ist eine Insel, die früher unter anderem als Immigrantenlager (hauptsächlich wohl für Chinesen) genutzt wurde. Das weiße Gebäude rechts ist das frühere Immigrationsgebäude, mittlerweile ein Museum. Links die etwas verfallenen Gebäude sind aus der Zeit des Civil War, dort waren wohl Truppen stationiert, wie mir erzählt wurde.
Bis auf einen Ranger, der dauerhaft auf Angel Island lebt, ist die Insel unbewohnt, mittlerweile ist sie als Park ausgewiesen.
Außerdem kamen wir auch an Alcatraz vorbei, diesmal die andere Seite (als mit der Fähre).
Als Alcatraz noch ein Gefängnis war, war es strengstens verboten, sich der Insel zu nähern. Auch Boote in Seenot wurden erst abgeknallt, bevor Fragen gestellt wurden. Könnte man sagen, dass sich bereits hier ein Muster abzeichnete? ;-)
Als wir dann aus dem Windschatten von Angel Island und Alcatraz rauskamen, gings richtig zur Sache. Der Wind konnte voll ins Segel knallen (ich kenne leider den Fachausdruck nicht) und das Boot legte sich bedenklich auf die Seite. Naja, also ICH fands bedenklich. Man sagte mir aber, das gehört so und nein, der Mast bricht nicht ab. Es macht auch nix, wenn eine Reling komplett unter Wasser ist, nein nein.
Man sollte sich nur tunlichst nicht grade an dieser Reling aufhalten. Also wurden wir vom Kapitän immer von einer Seite des Bootes auf die andere gescheucht, von backbord nach steuerbord und wieder zurück (ja, die Fachausdrücke kenne ich).
Manchmal war es ein bißchen wie auf der Titanic, als der Bug der Titanic noch so aus dem Wasser steht und Rose mit ihrem Tuppes auf die andere Seite der Reling (also nach außen) klettert, weil sie sich sonst nicht festhalten können. Das hätte ich auch gern getan, weil es wesentlich leichter gewesen wäre, als sich so von unten an die Reling zu klammern ;-)
Das klingt jetzt schlimmer als es ist, es hat richtig Spaß gemacht.
Auf dem folgenden Bild sitze ich noch schön gemütlich im Mittelteil des Boots und stemme mich mit den Füßen gegen eine Leiste, um nicht ins Wasser zu rutschen. Leider wird auf dem Bild gar nicht deutlich, wie steil es wirklich war.
Etwas später bin ich (und alle anderen auch) dann nach oben zur anderen Reling geklettert, weil die Reling, die man auf dem Bild sieht, dann im Wasser war. Davon gibts leider keine Fotos, weil ich mich festhalten musste.
In der Ferne immer schön die Golden Gate Bridge, die auch unser Ziel war.
Der Kapitän wollte nämlich unter die Golden Gate Bridge. Ich weiß nicht warum, aber das ist hier ein Riesen-Ding. Man kann auch extra (teure) Touren buchen, damit man einmal unter der Golden Gate Bridge durchfahren kann.
Tja, und auch ich hab es nun getan, ich bin durch das Golden Gate, unter der Bridge durch, gesegelt. Beweisfotos gibts hier:
Man sieht auf diesen Bilder schön, wie tief der Nebel über der Brücke hängt.
Und von hier segelten wir dann gemütlich wieder nach Hause.
Meine Chefin hatte mich eingeladen, an diesem vom Rotary Club veranstalteten Segelausflug teilzunehmen und zum Glück hab ich ja gesagt, denn es hat richtig Spaß gemacht.
Es war ein großes Segelschiff mit zwei Masten, wir waren ca. 20 Leute zuzüglich der Segelcrew.
Der Eigentümer des Schiffs hat es selbst entworfen und Teile davon sogar selbst gebaut. Das ganze untere Stockwerk seines Hauses ist eine Holzwerkstatt, echt beeindruckend. Wir segelten nämlich von seinem Haus in Richmond los.
Wir hatten auch richtig Glück mit dem Wetter, am Morgen war es noch total grau und wolkenverhangen gewesen. Allerdings ist das Wetter in der Bay auch sehr wechselhaft, wir segelten daher zwischen strahlendem Sonnenschein, Nebel und Wolken hin und her. Und windig wars, aber das muss ja auch so sein ;-)
Allerdings hab ich mir nach 3 Stunden dann schon so ziemlich den Arsch abgefroren, trotz dutzender Schichten von Kleidung. In der Sonne gings, aber sobald die weg war... brrrr...
Rausgefahren sind wir mit dem Motor und sobald wir auf der Bay waren, wurden die Segel gehisst.
Tja, und dann wurde gesegelt...
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| Angel Island |
Bis auf einen Ranger, der dauerhaft auf Angel Island lebt, ist die Insel unbewohnt, mittlerweile ist sie als Park ausgewiesen.
Außerdem kamen wir auch an Alcatraz vorbei, diesmal die andere Seite (als mit der Fähre).
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| Alcatraz - das weiß verhüllte ist übrigens ein Turm, der grade restauriert wird |
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| Auf dem Schild steht: Warning! Persons procuring or concealing escape of prisoners are subject to prosecution and imprisonment. |
Als Alcatraz noch ein Gefängnis war, war es strengstens verboten, sich der Insel zu nähern. Auch Boote in Seenot wurden erst abgeknallt, bevor Fragen gestellt wurden. Könnte man sagen, dass sich bereits hier ein Muster abzeichnete? ;-)
Als wir dann aus dem Windschatten von Angel Island und Alcatraz rauskamen, gings richtig zur Sache. Der Wind konnte voll ins Segel knallen (ich kenne leider den Fachausdruck nicht) und das Boot legte sich bedenklich auf die Seite. Naja, also ICH fands bedenklich. Man sagte mir aber, das gehört so und nein, der Mast bricht nicht ab. Es macht auch nix, wenn eine Reling komplett unter Wasser ist, nein nein.
Man sollte sich nur tunlichst nicht grade an dieser Reling aufhalten. Also wurden wir vom Kapitän immer von einer Seite des Bootes auf die andere gescheucht, von backbord nach steuerbord und wieder zurück (ja, die Fachausdrücke kenne ich).
Manchmal war es ein bißchen wie auf der Titanic, als der Bug der Titanic noch so aus dem Wasser steht und Rose mit ihrem Tuppes auf die andere Seite der Reling (also nach außen) klettert, weil sie sich sonst nicht festhalten können. Das hätte ich auch gern getan, weil es wesentlich leichter gewesen wäre, als sich so von unten an die Reling zu klammern ;-)
Das klingt jetzt schlimmer als es ist, es hat richtig Spaß gemacht.
Auf dem folgenden Bild sitze ich noch schön gemütlich im Mittelteil des Boots und stemme mich mit den Füßen gegen eine Leiste, um nicht ins Wasser zu rutschen. Leider wird auf dem Bild gar nicht deutlich, wie steil es wirklich war.
Etwas später bin ich (und alle anderen auch) dann nach oben zur anderen Reling geklettert, weil die Reling, die man auf dem Bild sieht, dann im Wasser war. Davon gibts leider keine Fotos, weil ich mich festhalten musste.
In der Ferne immer schön die Golden Gate Bridge, die auch unser Ziel war.
Der Kapitän wollte nämlich unter die Golden Gate Bridge. Ich weiß nicht warum, aber das ist hier ein Riesen-Ding. Man kann auch extra (teure) Touren buchen, damit man einmal unter der Golden Gate Bridge durchfahren kann.
Tja, und auch ich hab es nun getan, ich bin durch das Golden Gate, unter der Bridge durch, gesegelt. Beweisfotos gibts hier:
Man sieht auf diesen Bilder schön, wie tief der Nebel über der Brücke hängt.
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| Schon fast da... |
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| Geschafft! |
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| So sieht die Brücke also von unten aus. |
Und von hier segelten wir dann gemütlich wieder nach Hause.
Mittwoch, 11. Juli 2012
Business Law Training
Hier bin ich mal wieder. Sorry, die letzten Tage waren irgendwie ziemlich stressig, da kam ich nicht zum Bloggen. Ich gelobe Besserung ;-)
Stressig war es, weil ich zusammen mit den anderen Summer Associates am Business Law Training teilgenommen habe. Ich konnte mir da zunächst überhaupt nichts drunter vorstellen, also ließ ich mich überraschen.
Am Montag hatten wir "Negotiation", also Verhandlungstraining. Zuerst hielt ein Anwalt einen Vortrag darüber, wie man erfolgreich verhandelt. Hierbei ging es nicht um Gerichtsverhandlungen, sondern um Vertragsverhandlungen im weitesten Sinne. Es hätte sehr spannend werden können. An dem "hätte" merkt der geneigte Leser womöglich schon, dass es das nicht war ;-)
Tatsächlich bekamen wir so hilfreiche Tipps wie etwa den Gegner (oder zukünftigen Vertragspartner, wie ich vielleicht sagen sollte) besser NICHT anzuschreien. Ja wie??? Wirklich??? Nicht schreien? Hmmm...
Oder auch, dass man für Verhandlungen immer so gut wie nur möglich vorbereitet sein sollte. Außerdem sollte man immer die Interessen des Mandanten im Auge behalten. Ich war SO froh, dass mir das mal jemand sagt ;-)
Manche Tipps waren allerdings wirklich ganz interessant, die stammten allerdings nicht von besagtem Anwalt, sondern von einem Harvard-Professor ;-) Ich spare mir jetzt die Aufzählung. Nach dem Vortrag durften wir dann selbst verhandeln üben. Mit Feedback und so.
Tja, und so ähnlich ging es dann am Dienstag weiter. Da lernten wir, wie man einen "Letter of intent" schreibt. Dass da zum Beispiel die Vertragsparteien aufzuführen sind. Hinterher wurden dann noch Fragen gestellt, und an diesem Punkt fragte ich mich: Was lernen amerikanische Jurastudenten eigentlich im Studium?
Ich hab die Frage dann ganz zum Schluss auch mal laut gestellt und die Antwort lautet: scheinbar nicht viel ;-) Nein, das ist natürlich übertrieben. Im ersten (von drei!) Studienjahren sind alle Kurse Pflicht, da gibts dann sowas wie (ich übersetze mal recht frei) Ethik, Vertragsrecht, Zivilprozessrecht und Strafrecht, außerdem "Legal Writing and Research" (wie suche und finde ich Präzedenzfälle, die zu meinem Fall passen). Im zweiten und dritten Jahr besucht der amerikanische Jurastudent wohl überwiegend sogenannte "Bar Classes", die dazu dienen, auf das "Bar Exam" (=Abschlussprüfung) vorzubereiten.
Alles weitere ist optional!!! Also da bin ich fast vom Stuhl gefallen. Entsprechend haben die Mädels keinen blassen Dunst von Handels- und Gesellschaftsrecht (darum ging es hier) oder irgendeinem anderen Rechtsgebiet. Schon erstaunlich, wie unterschiedlich das in Deutschland und den USA läuft.
Ein großer Unterschied ist auch, dass in den USA die Abschlussnote keine Rolle spielt. Man macht sein Bar Exam und wenn man das besteht, ist man halt Anwalt. Oder wenigstens Jurist ;-) Das Bar Exam kann man übrigens so oft machen, wie man möchte (!!!), ein Kollege hat mir erzählt, er kennt einen Juristen, der es 43 mal gemacht hat. Wie krass ist das denn???
Zum Vergleich: in Deutschland kann man das zweite Staatsexamen zweimal machen, danach kann man beim Justizministerium einen Antrag auf den sog. "Gnadenversuch" stellen - das ist dann aber definitiv der letzte und danach wars das dann halt. Der Kommentar der Amis: "Wow, the Germans are Hardliners, aren´t they?" ;-)
Hier hingegen zählt einzig und allein, auf welchem College und welcher Uni man war. Und das hängt weniger vom eigenen Können als vom Geldbeutel der Eltern ab.
So ist hier in Juristenkreisen meist die erste Frage, auf welcher Law-School man war. In der Kanzlei bin ich umringt von Stanford-, Yale-, Harvard-, Berkeley- und Georgetown-Absolventen. Und noch viele andere, von denen ich noch nie gehört hab ;-) Der Abschluss an einer der vorgenannten Unis ist quasi der Garant für eine wirklich gut bezahlte Stelle - es interessiert keinen, ob man es nur geschafft hat, weil man immer neben dem Klassenbesten saß.
Und mit gut bezahlt meine ich gut bezahlt: In dieser Kanzlei liegt das Einstiegsgehalt bei 160.000 $. Pro Jahr der Kanzleizugehörigkeit wird ordentlich aufgestockt.
Gut, man arbeitet auch 18 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche - aber irgendwas ist ja immer.
Hm, wo war ich? Ach ja, BLT. Wir durften dann auch selbst einen Letter of intent schreiben, wiederum Feedback. Natürlich waren wir alle "great" und "amazing" und daher waren wir heute dann schnell durch.
Aber ganz ehrlich, das Beste an diesem Training war das kostenlose Mittagessen ;-)
Stressig war es, weil ich zusammen mit den anderen Summer Associates am Business Law Training teilgenommen habe. Ich konnte mir da zunächst überhaupt nichts drunter vorstellen, also ließ ich mich überraschen.
Am Montag hatten wir "Negotiation", also Verhandlungstraining. Zuerst hielt ein Anwalt einen Vortrag darüber, wie man erfolgreich verhandelt. Hierbei ging es nicht um Gerichtsverhandlungen, sondern um Vertragsverhandlungen im weitesten Sinne. Es hätte sehr spannend werden können. An dem "hätte" merkt der geneigte Leser womöglich schon, dass es das nicht war ;-)
Tatsächlich bekamen wir so hilfreiche Tipps wie etwa den Gegner (oder zukünftigen Vertragspartner, wie ich vielleicht sagen sollte) besser NICHT anzuschreien. Ja wie??? Wirklich??? Nicht schreien? Hmmm...
Oder auch, dass man für Verhandlungen immer so gut wie nur möglich vorbereitet sein sollte. Außerdem sollte man immer die Interessen des Mandanten im Auge behalten. Ich war SO froh, dass mir das mal jemand sagt ;-)
Manche Tipps waren allerdings wirklich ganz interessant, die stammten allerdings nicht von besagtem Anwalt, sondern von einem Harvard-Professor ;-) Ich spare mir jetzt die Aufzählung. Nach dem Vortrag durften wir dann selbst verhandeln üben. Mit Feedback und so.
Tja, und so ähnlich ging es dann am Dienstag weiter. Da lernten wir, wie man einen "Letter of intent" schreibt. Dass da zum Beispiel die Vertragsparteien aufzuführen sind. Hinterher wurden dann noch Fragen gestellt, und an diesem Punkt fragte ich mich: Was lernen amerikanische Jurastudenten eigentlich im Studium?
Ich hab die Frage dann ganz zum Schluss auch mal laut gestellt und die Antwort lautet: scheinbar nicht viel ;-) Nein, das ist natürlich übertrieben. Im ersten (von drei!) Studienjahren sind alle Kurse Pflicht, da gibts dann sowas wie (ich übersetze mal recht frei) Ethik, Vertragsrecht, Zivilprozessrecht und Strafrecht, außerdem "Legal Writing and Research" (wie suche und finde ich Präzedenzfälle, die zu meinem Fall passen). Im zweiten und dritten Jahr besucht der amerikanische Jurastudent wohl überwiegend sogenannte "Bar Classes", die dazu dienen, auf das "Bar Exam" (=Abschlussprüfung) vorzubereiten.
Alles weitere ist optional!!! Also da bin ich fast vom Stuhl gefallen. Entsprechend haben die Mädels keinen blassen Dunst von Handels- und Gesellschaftsrecht (darum ging es hier) oder irgendeinem anderen Rechtsgebiet. Schon erstaunlich, wie unterschiedlich das in Deutschland und den USA läuft.
Ein großer Unterschied ist auch, dass in den USA die Abschlussnote keine Rolle spielt. Man macht sein Bar Exam und wenn man das besteht, ist man halt Anwalt. Oder wenigstens Jurist ;-) Das Bar Exam kann man übrigens so oft machen, wie man möchte (!!!), ein Kollege hat mir erzählt, er kennt einen Juristen, der es 43 mal gemacht hat. Wie krass ist das denn???
Zum Vergleich: in Deutschland kann man das zweite Staatsexamen zweimal machen, danach kann man beim Justizministerium einen Antrag auf den sog. "Gnadenversuch" stellen - das ist dann aber definitiv der letzte und danach wars das dann halt. Der Kommentar der Amis: "Wow, the Germans are Hardliners, aren´t they?" ;-)
Hier hingegen zählt einzig und allein, auf welchem College und welcher Uni man war. Und das hängt weniger vom eigenen Können als vom Geldbeutel der Eltern ab.
So ist hier in Juristenkreisen meist die erste Frage, auf welcher Law-School man war. In der Kanzlei bin ich umringt von Stanford-, Yale-, Harvard-, Berkeley- und Georgetown-Absolventen. Und noch viele andere, von denen ich noch nie gehört hab ;-) Der Abschluss an einer der vorgenannten Unis ist quasi der Garant für eine wirklich gut bezahlte Stelle - es interessiert keinen, ob man es nur geschafft hat, weil man immer neben dem Klassenbesten saß.
Und mit gut bezahlt meine ich gut bezahlt: In dieser Kanzlei liegt das Einstiegsgehalt bei 160.000 $. Pro Jahr der Kanzleizugehörigkeit wird ordentlich aufgestockt.
Gut, man arbeitet auch 18 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche - aber irgendwas ist ja immer.
Hm, wo war ich? Ach ja, BLT. Wir durften dann auch selbst einen Letter of intent schreiben, wiederum Feedback. Natürlich waren wir alle "great" und "amazing" und daher waren wir heute dann schnell durch.
Aber ganz ehrlich, das Beste an diesem Training war das kostenlose Mittagessen ;-)
Freitag, 6. Juli 2012
Wie Wattepads zu Süßigkeiten werden
Das geht ganz einfach. Man muss nur total hungrig nach der Arbeit in den Walgreens stapfen.
Dort packt man dann die angestrebten Wattepads ein und auf dem Weg zur Kasse kreuzt man zuuuufällig den Süßigkeitengang. Die Schritte werden langsamer, während der Blick gierig von links nach rechts, von oben nach unten über die Regale schweift. Irgendwann bleibt man dann wie festgeklebt vor einem Regal stehen, in meinem Fall waren es Süßigkeiten mit Erdnüssen. Ich LIEBE Erdnuss-Süßigkeiten, davon gibts bei uns viel zu wenige!!!
Naja, ein Riegel Butterfinger kann ja nicht schaden, dachte ich mir so. Dann entdeckte ich die Riesentafel KitKat... gut, die kann auch noch mit. Oh - Snickers mit Erdnussbutter!!!
Da war es dann um mich geschehen und ich hab die Disziplin völlig über Bord geworfen. Daher wanderten dann auch noch Häagen Dazs Schokolade-Erdnussbutter, ein Erdnussmüsli (samt zugehöriger Milch - ganze 946ml!) und Lemon Cookies ins Körbchen... Die Lemon Cookies als Abwechslung zu den ganzen Erdnüssen ;-)
Dort packt man dann die angestrebten Wattepads ein und auf dem Weg zur Kasse kreuzt man zuuuufällig den Süßigkeitengang. Die Schritte werden langsamer, während der Blick gierig von links nach rechts, von oben nach unten über die Regale schweift. Irgendwann bleibt man dann wie festgeklebt vor einem Regal stehen, in meinem Fall waren es Süßigkeiten mit Erdnüssen. Ich LIEBE Erdnuss-Süßigkeiten, davon gibts bei uns viel zu wenige!!!
Naja, ein Riegel Butterfinger kann ja nicht schaden, dachte ich mir so. Dann entdeckte ich die Riesentafel KitKat... gut, die kann auch noch mit. Oh - Snickers mit Erdnussbutter!!!
Da war es dann um mich geschehen und ich hab die Disziplin völlig über Bord geworfen. Daher wanderten dann auch noch Häagen Dazs Schokolade-Erdnussbutter, ein Erdnussmüsli (samt zugehöriger Milch - ganze 946ml!) und Lemon Cookies ins Körbchen... Die Lemon Cookies als Abwechslung zu den ganzen Erdnüssen ;-)
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| Die Wattepads haben es mangels Erdnussanteile nicht aufs Foto geschafft ;-) |
Mittwoch, 4. Juli 2012
Fourth of July
Independence Day. Der vierte Juli. Der wichtigste Feiertag der Amerikaner.
Und ich mittendrin statt nur dabei ;-)
Soviel kann ich allerdings gar nicht erzählen, eigentlich war es ein bißchen wie Kölner Lichter, nur mit mehr amerikanisch-patriotischer Musik. Menschenmassen überall, Feuerwerk, Musik.
Ich war am Hyde Street Pier, wo eins der Hauptfeuerwerke abgeschossen wurde. Davor gab es die ganze Zeit Live-Musik, alle saßen oder lagen auf der Wiese, den Steinen oder sonstwo rum. War schon schön.
Ich habe auch ein paar Fotos vom Feuerwerk gemacht, die aber aufgrund der Lichtverhältnisse leider nicht allzu gut geworden sind.
Fotos vom großen Finale fehlen leider, denn da hatte ich das Fotografieren wegen der wenig zufriedenstellenden Ergebnisse schon eingestellt. Aber stellt euch halt ein fulminantes rot-blau-weißes Feuerwerk vor ;-)
Insgesamt dauerte das Feuerwerk übrigens nur knapp 15 bis 20 Minuten, untermalt von besonders patriotischer Musik wie etwa "Born in the USA" und so. Hauptsache das Wort "America" kam drin vor, je öfter, desto besser. Ich hätte ja "American Idiot" total lustig gefunden... ;-)
Danach machten sich dann alle wieder auf den Heimweg, war ja auch kalt. Ich habe trotz dickem Pulli, Jacke und Schal ganz schön gefroren.
Apropos Heimweg: Ich schimpfe ja immer über die KVB, aber bei Großereignissen haben sie´s ja eigentlich schon drauf - da werden Sonderzüge eingesetzt und alles getan, um die Menschenmassen möglichst schnell wieder nach Hause zu bringen.
Hier in San Francisco ist das anders. Ab drei Uhr nachmittags wurde einfach jeglicher Bus- und Cable Car Verkehr eingestellt. Resignation angesichts der Massen von Menschen, die quer durch die Stadt ziehen?
Ich weiß es nicht. Jedenfalls hieß das also sowohl hin als auch zurück laufen, zum Glück wohne ich nicht so weit vom Pier entfernt, ca. 20-30 Minuten zu Fuß. Wenn bloß die vielen Hügel nicht wären ;-)
Und ich mittendrin statt nur dabei ;-)
Soviel kann ich allerdings gar nicht erzählen, eigentlich war es ein bißchen wie Kölner Lichter, nur mit mehr amerikanisch-patriotischer Musik. Menschenmassen überall, Feuerwerk, Musik.
Ich war am Hyde Street Pier, wo eins der Hauptfeuerwerke abgeschossen wurde. Davor gab es die ganze Zeit Live-Musik, alle saßen oder lagen auf der Wiese, den Steinen oder sonstwo rum. War schon schön.
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| Tatsächlich war es schon viel dunkler, die Kamera verfälscht das etwas. |
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| Clevere Leute hatten vorgesorgt, da es richtig kalt wird, sobald die Sonne weg ist |
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| In dieser Bettdecke steckt die ganze Familie: Mutter, Vater und Kind ;-) |
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| In der Bay waren ganz viele Boote unterwegs, von dort hatte man natürlich die beste Sicht |
Ich habe auch ein paar Fotos vom Feuerwerk gemacht, die aber aufgrund der Lichtverhältnisse leider nicht allzu gut geworden sind.
Fotos vom großen Finale fehlen leider, denn da hatte ich das Fotografieren wegen der wenig zufriedenstellenden Ergebnisse schon eingestellt. Aber stellt euch halt ein fulminantes rot-blau-weißes Feuerwerk vor ;-)
Insgesamt dauerte das Feuerwerk übrigens nur knapp 15 bis 20 Minuten, untermalt von besonders patriotischer Musik wie etwa "Born in the USA" und so. Hauptsache das Wort "America" kam drin vor, je öfter, desto besser. Ich hätte ja "American Idiot" total lustig gefunden... ;-)
Danach machten sich dann alle wieder auf den Heimweg, war ja auch kalt. Ich habe trotz dickem Pulli, Jacke und Schal ganz schön gefroren.
Apropos Heimweg: Ich schimpfe ja immer über die KVB, aber bei Großereignissen haben sie´s ja eigentlich schon drauf - da werden Sonderzüge eingesetzt und alles getan, um die Menschenmassen möglichst schnell wieder nach Hause zu bringen.
Hier in San Francisco ist das anders. Ab drei Uhr nachmittags wurde einfach jeglicher Bus- und Cable Car Verkehr eingestellt. Resignation angesichts der Massen von Menschen, die quer durch die Stadt ziehen?
Ich weiß es nicht. Jedenfalls hieß das also sowohl hin als auch zurück laufen, zum Glück wohne ich nicht so weit vom Pier entfernt, ca. 20-30 Minuten zu Fuß. Wenn bloß die vielen Hügel nicht wären ;-)
Mein erstes amerikanisches BBQ
Gestern war ich bei einer Kollegin aus der Kanzlei zu meinem ersten amerikanischen BBQ eingeladen. Sie wohnt mit vier oder fünf (das wechselt scheinbar immer) Roommates in einem Haus in Bernal Heights, an der Grenze zum Mission District.
Bereits auf dem Weg dorthin war ich wieder mal sehr froh über mein kleines Apartment in Russian Hill, denn Bernal Heights ist schon ein bißchen weit weg. Da hätte ich einen deutlich längeren Weg zur Arbeit gehabt.
Die Flasche Wein hatte ich übrigens ganz stilecht in einer braunen Papiertüte verpackt, man will ja nicht den Zorn der Gesetzeshüter auf sich ziehen.
Mit der Flasche stand ich dann vor der Tür und klingelte. Keiner macht auf, drinnen wars auch recht ruhig. Ich also nochmal geklingelt. Nichts. Hm, nochmal Straße und Hausnummer kontrolliert, ich war an der richtigen Adresse. Ich wollte grade schon meine Kollegin anrufen, als noch ein Mädel kam. Ich begrüßte sie also und erklärte, dass ich zu M. wolle und niemand aufmacht. Sie darauf "Oh, isn't the door open?", macht einen Schritt an mir vorbei, dreht den Knauf und öffnet die Tür.
Joa, gut. Darauf bin ich nicht gekommen, einfach zu gucken, ob die Tür offen ist...
Drinnen folgte ich dem Mädel, die scheinbar wusste, wo´s langging, einen dunklen, engen Flur entlang. Von dem Flur gingen mehrere Türen ab, die alle offenstanden. Im Vorbeigehen warf ich natürlich neugierig einen Blick hinein, es waren die Schlafzimmer der Bewohner. Und da war ich dann nochmal froh, dass ich mein kleines Apartment für mich hatte. Es herrschte das reine Chaos, in jedem Zimmer!
Nun bin ich ja beleibe kein Ordnungsfanatiker, wirklich nicht - aber das fand selbst ich krass. Die Zimmer waren auch einfach winzig, meist stand mittendrin einfach das Bett und drumrum waren Klamotten, Koffer, und wer Glück hatte auch noch ein Stuhl verteilt.
Durch die Küche (auch hier wieder: Schock! Das soll eine Küche sein?) gings dann hinten raus in den Backyard. Der war dafür sehr schön ;-)
Alle Seiten waren mit Lichterkettennetzen beleuchtet und es gab einen riiiiiiesigen Trompetenbaum, der in voller Blüte stand, deswegen hing der Himmel quasi voller Trompeten. Rundum an den Wänden standen Bänke, natürlich saß darauf niemand.
Das scheint so ein Ami-Ding zu sein, die stehen gern. Das war bisher bei jedem Dinner so, auf dem ich eingeladen war. Man kommt um sechs (hungrig, denn man ist ja zum Essen eingeladen) und steht dann noch bis 9 Uhr mit nem Getränk in der Hand in der Gegend rum, bis man endlich zu Tisch gebeten wird. Um halb zehn hat dann jeder gegessen, dann stehen alle auf und gehen nach Hause.
Beim ersten Mal dachte ich noch, ich hätte irgendein geheimes Zeichen verpasst, denn in Deutschland geht ja dann der gemütliche Teil des Abends meist erst los. Hier geht man dann nach Hause, die Deutschen sind tatsächlich auch als stundenlange Sitzenbleiber verschrien ;-)
Aber ich arbeite fleißig gegen dieses Image an, also habe ich gestern brav in der Gegend rumgestanden und hab Small Talk gemacht. Interessant dabei war, dass eigentlich keiner auf der Party aus Kalifornien kam. Das ist mir auch in der Kanzlei schon aufgefallen, fast niemand stammt tatsächlich aus San Francisco oder wenigstens aus Kalifornien.
Die Gastgeberin selbst kommt aus New Jersey, ich habe Leute aus Kentucky, Montana, Texas, Washington, New York und noch mehr Leute aus New Jersey kennengelernt. Mir wurde erklärt, dass die meisten jungen Leute einfach so schnell wie möglich von Zuhause (meistens wohl irgendein Kuhkaff) weg in die große weite (weiterhin amerikanische) Welt wollen. Spätestens fürs College wird daher mindestens die Stadt, meistens aber auch der Bundesstaat gewechselt. Danach dasselbe nochmal für die University, gestern waren die meisten von Stanford (Palo Alto, CA). Für den Job wird dann meist nochmal umgezogen, und so wird die gesamte amerikanische Bevölkerung während der Ausbildung einmal kräftig durchgemischt ;-)
In einer Ecke des Backyards stand der unvermeidliche Gasgrill, auf dem schon Burger, Hot Dogs und Lachs (wir sind schließlich in Kalifornien) brutzelten. Und ich muss sagen, der Burger war sowas von lecker!
Dafür war das Bier... naja. Zunächst mal bekommt man hier überwiegend Dosenbier, und dann ist es halt amerikanisches Bier. Da hätte ich auch Wasser trinken können. Man holte sich die Bierdosen übrigens ganz stilecht aus einer uralten Kühlkiste, die mit Eis gefüllt war.
Als der Typ, der mir das Bier gab, hörte, dass ich aus Deutschland komme, entschuldigte er sich tausendmal für die Qualität des amerikanischen Biers und dass das bestimmt das schlechteste Bier sei, was ich je trinken werde, weil Deutschland doch ein Bier-Land sei usw. Ich fands natürlich lustig und hab ihn beruhigt, dass es gar nicht so schlimm sei. War es ja auch nicht, nur sehr dünn.
Ich war daher überrascht, als die Amis nach der zweiten Dose zu lallen anfingen... ich hab vier Dosen getrunken und dann langsam mal ein bißchen die alkoholische Wirkung gespürt... Nunja.
Der Höhepunkt der Party war dann die Pinata. Nicht gerade typisch amerikanisch ;-) Aber M. liebt Pinatas und wollte daher auf ihrer Party unbedingt eine haben. Ich habe mich wohlweislich davon ferngehalten, denn ich musste an die unzähligen Home-Videos denken, die man immer bei so Pannenshows sieht ;-) Bei uns ging aber alles gut, das Ding war überraschend hartnäckig, musste zum Schluss aber doch nachgeben.
Überhaupt war die Party erfrischend unpatriotisch, keine Flaggen, keine Anstecker, kein rot-weiss-blaues Essen (normalerweise gibt es Torten in Nationalfarben - hier gabs nur Cupcakes mit grünen Sträuseln), kein "God bless America". Ich war zwar verwundert, aber doch recht froh drüber. Es reicht mir schon, dass immer alle mit Unverständnis reagieren, dass ich NICHT in die USA auswandern möchte.
Als dann etliche Gäste aufbrachen, bin ich natürlich auch gegangen - immer im Kampf gegen die Klischees ;-)
Bereits auf dem Weg dorthin war ich wieder mal sehr froh über mein kleines Apartment in Russian Hill, denn Bernal Heights ist schon ein bißchen weit weg. Da hätte ich einen deutlich längeren Weg zur Arbeit gehabt.
Die Flasche Wein hatte ich übrigens ganz stilecht in einer braunen Papiertüte verpackt, man will ja nicht den Zorn der Gesetzeshüter auf sich ziehen.
Mit der Flasche stand ich dann vor der Tür und klingelte. Keiner macht auf, drinnen wars auch recht ruhig. Ich also nochmal geklingelt. Nichts. Hm, nochmal Straße und Hausnummer kontrolliert, ich war an der richtigen Adresse. Ich wollte grade schon meine Kollegin anrufen, als noch ein Mädel kam. Ich begrüßte sie also und erklärte, dass ich zu M. wolle und niemand aufmacht. Sie darauf "Oh, isn't the door open?", macht einen Schritt an mir vorbei, dreht den Knauf und öffnet die Tür.
Joa, gut. Darauf bin ich nicht gekommen, einfach zu gucken, ob die Tür offen ist...
Drinnen folgte ich dem Mädel, die scheinbar wusste, wo´s langging, einen dunklen, engen Flur entlang. Von dem Flur gingen mehrere Türen ab, die alle offenstanden. Im Vorbeigehen warf ich natürlich neugierig einen Blick hinein, es waren die Schlafzimmer der Bewohner. Und da war ich dann nochmal froh, dass ich mein kleines Apartment für mich hatte. Es herrschte das reine Chaos, in jedem Zimmer!
Nun bin ich ja beleibe kein Ordnungsfanatiker, wirklich nicht - aber das fand selbst ich krass. Die Zimmer waren auch einfach winzig, meist stand mittendrin einfach das Bett und drumrum waren Klamotten, Koffer, und wer Glück hatte auch noch ein Stuhl verteilt.
Durch die Küche (auch hier wieder: Schock! Das soll eine Küche sein?) gings dann hinten raus in den Backyard. Der war dafür sehr schön ;-)
Alle Seiten waren mit Lichterkettennetzen beleuchtet und es gab einen riiiiiiesigen Trompetenbaum, der in voller Blüte stand, deswegen hing der Himmel quasi voller Trompeten. Rundum an den Wänden standen Bänke, natürlich saß darauf niemand.
Das scheint so ein Ami-Ding zu sein, die stehen gern. Das war bisher bei jedem Dinner so, auf dem ich eingeladen war. Man kommt um sechs (hungrig, denn man ist ja zum Essen eingeladen) und steht dann noch bis 9 Uhr mit nem Getränk in der Hand in der Gegend rum, bis man endlich zu Tisch gebeten wird. Um halb zehn hat dann jeder gegessen, dann stehen alle auf und gehen nach Hause.
Beim ersten Mal dachte ich noch, ich hätte irgendein geheimes Zeichen verpasst, denn in Deutschland geht ja dann der gemütliche Teil des Abends meist erst los. Hier geht man dann nach Hause, die Deutschen sind tatsächlich auch als stundenlange Sitzenbleiber verschrien ;-)
Aber ich arbeite fleißig gegen dieses Image an, also habe ich gestern brav in der Gegend rumgestanden und hab Small Talk gemacht. Interessant dabei war, dass eigentlich keiner auf der Party aus Kalifornien kam. Das ist mir auch in der Kanzlei schon aufgefallen, fast niemand stammt tatsächlich aus San Francisco oder wenigstens aus Kalifornien.
Die Gastgeberin selbst kommt aus New Jersey, ich habe Leute aus Kentucky, Montana, Texas, Washington, New York und noch mehr Leute aus New Jersey kennengelernt. Mir wurde erklärt, dass die meisten jungen Leute einfach so schnell wie möglich von Zuhause (meistens wohl irgendein Kuhkaff) weg in die große weite (weiterhin amerikanische) Welt wollen. Spätestens fürs College wird daher mindestens die Stadt, meistens aber auch der Bundesstaat gewechselt. Danach dasselbe nochmal für die University, gestern waren die meisten von Stanford (Palo Alto, CA). Für den Job wird dann meist nochmal umgezogen, und so wird die gesamte amerikanische Bevölkerung während der Ausbildung einmal kräftig durchgemischt ;-)
In einer Ecke des Backyards stand der unvermeidliche Gasgrill, auf dem schon Burger, Hot Dogs und Lachs (wir sind schließlich in Kalifornien) brutzelten. Und ich muss sagen, der Burger war sowas von lecker!
Dafür war das Bier... naja. Zunächst mal bekommt man hier überwiegend Dosenbier, und dann ist es halt amerikanisches Bier. Da hätte ich auch Wasser trinken können. Man holte sich die Bierdosen übrigens ganz stilecht aus einer uralten Kühlkiste, die mit Eis gefüllt war.
Als der Typ, der mir das Bier gab, hörte, dass ich aus Deutschland komme, entschuldigte er sich tausendmal für die Qualität des amerikanischen Biers und dass das bestimmt das schlechteste Bier sei, was ich je trinken werde, weil Deutschland doch ein Bier-Land sei usw. Ich fands natürlich lustig und hab ihn beruhigt, dass es gar nicht so schlimm sei. War es ja auch nicht, nur sehr dünn.
Ich war daher überrascht, als die Amis nach der zweiten Dose zu lallen anfingen... ich hab vier Dosen getrunken und dann langsam mal ein bißchen die alkoholische Wirkung gespürt... Nunja.
Der Höhepunkt der Party war dann die Pinata. Nicht gerade typisch amerikanisch ;-) Aber M. liebt Pinatas und wollte daher auf ihrer Party unbedingt eine haben. Ich habe mich wohlweislich davon ferngehalten, denn ich musste an die unzähligen Home-Videos denken, die man immer bei so Pannenshows sieht ;-) Bei uns ging aber alles gut, das Ding war überraschend hartnäckig, musste zum Schluss aber doch nachgeben.
Überhaupt war die Party erfrischend unpatriotisch, keine Flaggen, keine Anstecker, kein rot-weiss-blaues Essen (normalerweise gibt es Torten in Nationalfarben - hier gabs nur Cupcakes mit grünen Sträuseln), kein "God bless America". Ich war zwar verwundert, aber doch recht froh drüber. Es reicht mir schon, dass immer alle mit Unverständnis reagieren, dass ich NICHT in die USA auswandern möchte.
Als dann etliche Gäste aufbrachen, bin ich natürlich auch gegangen - immer im Kampf gegen die Klischees ;-)
Dienstag, 3. Juli 2012
BBQ
Morgen ist der vierte Juli. Das wisst ihr wahrscheinlich auch alle, aber während das in Deutschland halt nur ein Mittwoch ist, ist hier ist echt was los. Die Fahnen und Anstecker werden schon ausgepackt, alle wünschen sich gegenseitig einen "Happy Fourth" und "God bless America" (kein Witz!). Ich bin daher echt mal auf morgen gespannt, ob sich das Ganze da noch steigert. Ich vermute: ja! ;-)
Heute Abend bin ich zu einem richtig amerikanischen Barbeque eingeladen, ich bin schon sehr gespannt und freue mich auch. Allerdings war die Frage des Mitbringsels etwas kritisch. Passend wäre natürlich was deutsches. Bloß was? Sauerkraut oder ne Bratwurst? Eher nicht (woher auch nehmen?).
Alle deutschen Produkte, die ich dabei hab, brauche ich ja auch! Außerdem wären Zahnpasta, Shampoo und Co sicher auch nicht der Reißer gewesen ;-) Und eine Packung Yoghurette für ne ganze BBQ-Gesellschaft, hmmm...
Und an weitere deutsche Mitbringsel hab ich schlicht und einfach nicht gedacht.
Also der Klassiker: eine Flasche Wein!
Nun hab ich aber gelesen, dass man in den USA bei einer Einladung bloß NIE Alkohol mitbringen soll, dies sei sehr verpönt, denn der Gastgeber könnte ja ein ehemaliger Alkoholiker sein. WTF???
Auf den Gedanken wäre ich ja im Traum nicht gekommen. Zum Glück war ich mit der Gastgeberin bereits mehrmals unterwegs und weiss, dass sie ganz schön bechert. Somit bin ich mit der Flasche Wein hoffentlich auf der sicheren Seite, kann ja auch ein deutscher Wein sein ;-)
Heute Abend bin ich zu einem richtig amerikanischen Barbeque eingeladen, ich bin schon sehr gespannt und freue mich auch. Allerdings war die Frage des Mitbringsels etwas kritisch. Passend wäre natürlich was deutsches. Bloß was? Sauerkraut oder ne Bratwurst? Eher nicht (woher auch nehmen?).
Alle deutschen Produkte, die ich dabei hab, brauche ich ja auch! Außerdem wären Zahnpasta, Shampoo und Co sicher auch nicht der Reißer gewesen ;-) Und eine Packung Yoghurette für ne ganze BBQ-Gesellschaft, hmmm...
Und an weitere deutsche Mitbringsel hab ich schlicht und einfach nicht gedacht.
Also der Klassiker: eine Flasche Wein!
Nun hab ich aber gelesen, dass man in den USA bei einer Einladung bloß NIE Alkohol mitbringen soll, dies sei sehr verpönt, denn der Gastgeber könnte ja ein ehemaliger Alkoholiker sein. WTF???
Auf den Gedanken wäre ich ja im Traum nicht gekommen. Zum Glück war ich mit der Gastgeberin bereits mehrmals unterwegs und weiss, dass sie ganz schön bechert. Somit bin ich mit der Flasche Wein hoffentlich auf der sicheren Seite, kann ja auch ein deutscher Wein sein ;-)
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